Nachgefragt: Interview mit Imker Jörg Bredow
Jörg Bredow aus Brandenburg ist seit vielen Jahren Imker. In einem kleinen Dorf stellte er seine Bienenstöcke auf und betreibt dort auch seine Imkerei. Heute beantwortet er uns einige Fragen rund um die fleißigen Insekten.
Claudia Kinkel: Herr Bredow, Sie sind nicht nur leidenschaftlicher Unternehmer, stellvertretender Vorsitzender der Elektro-Innung Berlin/Brandenburg, Bürgermeister von Briesen, sondern in Ihrer verbleibenden Zeit auch noch als Imker tätig. Wie lange imkern Sie schon und wie viele Bienenvölker haben Sie heute?
Jörg Bredow: Ich imkere seit 11 Jahren, mittlerweile betreue ich 35 Wirtschaftsvölker mit jeweils 50.000 Bienen im Sommer. Im Winter sind die Bienenvölker immer etwas kleiner und bieten zwischen 5.000 und 8.000 Bienen einen kuscheligen Platz über die kalten Wintermonate.
Claudia Kinkel: Wie sind Sie zum Imkern gekommen?
Jörg Bredow: Das ist eine sehr lange Geschichte… Interesse an den Bienen und der Imkerei hatte ich eigentlich schon immer. Ein Mitarbeiter von mir hatte Bienen durch und faszinierte mich mit seinen Erzählungen. So kam es auch oft vor, dass Kunden Honig zum Weihnachtsfest geschenkt bekamen und oftmals dachten, ich sei Imker. Eines Tages beobachtete ich in unserem Garten einen großen Kirschbaum. Erstaunlicherweise sah ich nur viele Hummeln summen und kaum eine Biene – dies war dann im Endeffekt der entscheidende Moment, dass ich etwas ändern wollte. Alle Bienenstöcke aus der Umgebung waren zu weit weg, damit die Bienen meinen tollen Kirschbaum wahrnahmen.
Beim Land stellte ich einige Förderanträge für entsprechende Projekte. Leider waren die Fördermittel jedes Mal schon vergeben und ich bekam zwei Mal hintereinander eine Absage. Doch das war ein noch größerer Ansporn für mich, Besitzer von arbeitsamen Bienen zu werden. So habe ich mir, unterstützt von einem guten Freund, drei Völker gekauft und mich in zahlreiche Fachbücher eingelesen. Doch wie es so kam, starb eine Bienenkönigin. Im Internet recherchierte ich nach einer neuen Königin. Ganz in meiner Nähe fand ich einen Imker und Bienenzüchter, der mich unterstützte und mich eine Zeit lang mit seiner Erfahrung begleitete.

Claudia Kinkel: Was empfehlen Sie, wie ein sinnvoller Start mit der Imkerei aussehen kann?
Jörg Bredow: Definitiv den Beitritt in den regionalen Imkerverein. Viele Vereine stellen Neuligen dort einen Bienenvater – einen Imker mit viel Erfahrung – zur Seite, die sowohl mit Fachwissen als auch mit Equipment unterstützt. Außerdem sollte man sich die Zeit für intensive Lehrgänge nehmen, die sowohl in der Theorie als auch ebenfalls in der Praxis sehr gut unterstützen. Außerdem empfehle ich den Kauf von direkt fertigen Holzrahmen und keine günstigen Bastelsets. Diese haben mich persönlich oft zur Verzweiflung gebracht und einiges an Zeit gebraucht, welche ich sinnvoller hätte nutzen können.
Claudia Kinkel: Damit Sie so viel Zeit investieren, müssen die Bienen Ihnen etwas Besonderes geben. Was genau fasziniert Sie so sehr am Imkern und den Bienen?
Jörg Bredow: Das Gefühl ist kaum beschreibbar. Die Bienen entspannen und faszinieren zugleich. Auch wenn das Hobby viel Zeit in Anspruch nimmt, kann ich bei meinen Bienenvölkern und den Aufgaben optimal entspannen. Und sollte ich nicht entspannt sein, merken die Bienen den Stress. Hektik und Stress können Bienen nicht vertragen. Sie fühlen sich bedroht und stechen auch öfter mal zu. Mittlerweile höre ich schon am Geräusch aus der Kiste, wie meine Bienen „gelaunt“ sind und ob ich sie besser in Ruhe lassen sollte – besonders bei gewittrigem Wetter immer eine Herausforderung.
Claudia Kinkel: Apropos Honig: Welche Sorten gewinnen Sie mit Ihren Bienen? Und kann man die Sorten mit bloßem Auge erkennen?
Jörg Bredow: Die Sorten, die wir ernten, sind vielfältig - von Lindenblüten über Buchweizen bis hin zur Sommerblüte. Je nach Sorte kann man den Honig an der Farbe unterscheiden, so ist Waldhonig dunkel, wohingegen Lindenblütenhonig sehr hell ist. Die jeweiligen Bestandteile lassen sich aber nur über ein spezielles Labor bestimmen.
Herr Bredow, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen haben. Wir freuen uns, Sie und Ihre Bienen zu unterstützen und in nächster Zeit vermehrt Einblick in das Imkern zu erhalten.
